Historie

Der Autorenkreis Rhein-Erft (ARE) ist ein regionaler Zusammenschluss von Schriftstellern, die größtenteils im Rhein-Erft-Kreis beheimatet sind.

 

Unsere Geschichte

Der Autorenkreis Rhein-Erft wurde 1985 von dem Hürther Schriftsteller Dr. phil. Herbert Sinz (1913-1989) gegründet.

Von Juli 1989 bis Anfang 1990 führte die Bestsellerautorin Petra Hammesfahr kommissarisch den Autorenkreis.

Der deutschlandweit bekannte Lyriker und Herausgeber zahlreicher Lyrikanthologien Axel Kutsch leitete den Autorenkreis von 1990 bis 1996.

Prof. Dr. med. Gynter Mödder aus Bergheim-Glessen war von 1997 bis April 2020 Sprecher des Autorenkreises. Im Jahr 2020 verlagerte er seinen Lebensmittelpunkt nach Eckernförde. Am 31.08.24 verstarb er.

Vom April 2020 bis September 2022 übernahm Evert Everts, auch Schriftführer seit 2005, die Rolle des Sprechers.

Seit September 2022 ist die Lyrikerin und Krimi-Autorin Cornelia Ehses die Sprecherin des ARE.

Der Autorenkreis nimmt seit über zwanzig Jahren an den Veranstaltungen des LiteraturHerbstes Rhein-Erft teil. Er stellte fünfmal das literarische Motto und gestaltete dreimal – 2013, 2020 und 2024 – die Eröffnungsveranstaltung.

 

 

Hans-Juergen Deglow
29. Juni 2025
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Der Autorenkreis Rhein-Erft feiert in diesem Jahr einen runden Geburtstag. Hier meine Erinnerungen an die Gründerzeit.
Es gibt kein Foto von dieser denkwürdigen Veranstaltung, jedenfalls ist mir ein Bilddokument nicht bekannt. Aber die Erinnerungen an diesen warmen Herbstabend vor nunmehr 40 Jahren ist lebendig geblieben.
Nachrichten wurden anno 1985 noch nicht per Handy oder Mail verschickt. Die Einladung zur Gründung eines Autorenkreises stand als kleine Anzeige in der Werbepost. Ich studierte damals in Aachen. Bei einem Besuch im heimischen Elsdorf lag ein Schnipsel aus der Werbepost auf dem Küchentisch. Meine Mutter sagte: „Junge, du schreibst doch so gern. Vielleicht interessiert dich das.” Auf dem Zeitungsausriss standen nur wenige Sätze. Dr. Herbert Sinz, der Schriftsteller aus Hürth, Jahrgang 1913, suchte an Rhein und Erft Gefährten zur Gründung eines Autorenkreises. Ich fühlte mich angesprochen.
So kamen also wenig später etwa 15 Frauen und Männer nach Hürth ins Bundessprachenamt. Ein besonderer Ort. Zum einen, weil es ein Ort der Sprache ist. Zum anderen, weil 1985 noch Kalter Krieg herrschte, und es waren meist junge Soldaten und Sprachlehrer aus Nato-Staaten, die hier unter anderem in „Deutsch als Fremdsprache” unterrichtet wurden. Beim Einlass wurde der Personalausweis abgefragt – in der Behörde galt höchste Sicherheitsstufe, keine Ausnahme für Autoren. Leiter des Amtes war Hanns Maur aus Bonn, selbst Lyriker, der einen kleinen Saal für diese Veranstaltung zur Verfügung gestellt hatte.
Ich war 21 Jahre jung und widmete mich neben dem Studium der Geschichte und Politik ganz intensiv auch der Lyrik. In Aachen hatte ich engen Kontakt zum dort gegründeten Bundesring junger Autoren, aus dem später der Bundesverband junger Autoren hervorging. Aber ein Autorenkreis vor der eigenen heimatlichen Haustüre schien mir zweifellos von noch größerer Bedeutung zu sein. Er versprach den direkten Austausch mit erfahrenen Autorinnen und Autoren aus der eigenen Lebenswelt, einen weiten Blick über den eigenen literarischen Tellerrand, das Kennenlernen anderer Stilformen, und er öffnete den Weg zur Publikation eigener Texte.
Die Heimat ist keine kleine, sondern eine große Bühne.
Schriftsteller und Lyriker und Erzähler sind oft Einzelkämpfer auf dem Kulturparkett, und besonders schwer ist es vor allem zu Beginn, einen Text auch abdrucken zu können. Das Internet existierte noch nicht als Publikationsort, vor allem die Lyriker jener Zeit entdeckten und schätzten die gedruckte Anthologie als gemeinsame Plattform. Eine der ersten überregionalen Formate war das Gedicht-Flugblatt „Der Zettel“, eine blühende Orchidee auf dem großen Feld des Literaturbetriebes. Die Lyrik war hier auf dickem, farbigen Papier gedruckt, die Zettel wurden beispielsweise in Kneipen ausgelegt, jeder Autor erhielt zudem einen Stapel zur eigenhändigen Verteilung. Herausgeber war die wegweisende Initiative Junger Autoren (IJA) mit Anton G. Leitner als Vorsitzenden. Hinweis am Rande: Anton arbeitet derzeit an einer großen Veröffentlichung, die die wesentlichen Werke seines einzigartigen lyrischen Schaffens enthalten und 2026 erscheinen soll. Ein Leben im Dienste der Poesie.
Zurück zum Autorenkreis Rhein-Erft: Bei der Gründungsversammlung in Hürth war ich mit Abstand der Jüngste. Ich blickte beeindruckt auf meine neuen Mitstreiter, vor allem auf Sinz und Hanns Maur, ein Mann von beeindruckender Statur und Stimmgewalt. Typ: Vorleser, dem man gerne zuhört.
Es ging um Protokollarisches, um die Schilderung von Erfahrungen mit Verlagen, es wurden Möglichkeiten für weitere Versammlungsorte ausgelotet, jeder stellte sich und sein Werk kurz vor. In Erinnerung ist mir, wie sehr doch die Leidenschaft fürs Schreiben verbindet, wie facettenreich die Literatur hier zwischen den Flüssen ist. Kaffee, Wasser, Plätzchen standen auf den Tischen, die in einem Viereck angeordnet waren. An der rheinischen Besprechungstafel entspann sich schnell eine Diskussion darüber, wie Literatur vor Ort ein Gehör und Publikum findet. Auch für den Autorenkreis galt stets: Die Mischung macht‘s, hier ist Platz für Jandl-Versteher und Celan-Bewunderer, für Krimi-Schriftsteller und Mundart-Autoren.
Eine der wichtigsten Fragen, die auf der Gründungsversammlung erörtert wurde, war: Wie kommunizieren wir miteinander? Zwar hatte (fast) jeder ein Festnetz-Telefon, aber letztlich wurde die Briefform gewählt, die Rundschreiben und Einladungen mit Schreibmaschine vervielfältigt, und Texte in mehrfacher Ausfertigung zum gegenseitigen Lektorat versendet. In meiner Sammlung befindet sich noch eine Postkarte eines der anderen Gründungsmitglieder, das in knappen Sätzen darum bittet, die Fahnenabzüge zu durchforsten und doch bitte alsbald korrigiert an ihn zurückzusenden. Doppelte Kontrolle vor Drucklegung sei besser, so der Kartenschreiber, denn wie er wisse, habe nicht jeder der Autoren einen Duden.
Im Bundessprachenamt wurden 1985 bereits die ersten Schritte gemacht in Richtung eigener Publikationen. In den ersten Jahren haben sich besonders Axel Kutsch, die spätere Bestseller-Autorin Petra Hammesfahr und Helmut Schmale in der Leitung des Autorenkreises ungemeim verdient gemacht, sie festigten die lockere Verbindung der Schriftsteller. Axel Kutsch, der schon nützliche Erfahrungen mit seiner Autoreninitiative Köln (AIK) gesammelt hatte, stieß Anthologien an, engagierte sich erfolgreich für eine finanzielle Förderung durch die Kulturstiftung der Kreissparkasse – eine ausgesprochen wertvolle Starthilfe für unseren Autorenkreis.
Ich bin froh, viele Dokumente aus jener Zeit aufbewahrt zu haben.
Axel Kutsch schrieb einmal freudig an alle „Kolleginnen und Kollegen”: „Der Literaturtag (mit Showelementen) ist nun endgültig gesichert.” Gute Literatur verträgt sich also auch noch mit Show – eine wertvolle und nach wie vor aktuelle Erkenntnis aus der Gründerzeit des Autorenkreises. Plakate und Werbezettel, wie das PR-Material damals noch genannt wurde, hatten für besagten Literaturtag übrigens eine Frechener Druckerei und die Stadt Frechen gespendet. Es zeigte sich der Stolz der Region auf die Literaten.
Schon im Bundessprachenamt wurde eine Klausurtagung angedacht. Eifelhöhen statt Villerücken. Ein Autor hatte eine Wochenend-Arbeitstagung in der Eifel vorgeschlagen, zur Vorbereitung einer Anthologie. Die Idee wurde nach der Gründungsversammlung lebhaft diskutiert, dann sprach Sinz im Oktober 1986 per Brief an alle „Kolleginnen und Kollegen” ein Machtwort. Der Kreis sei noch zu „jung”, mancher bekannte Schriftsteller habe sich noch gar nicht gemeldet, und „würde aber sicherlich enttäuscht sein, wenn sein Name nicht in dem geplanten Sammelband erscheint”. Sinz bat um Verschiebung, auch weil ihn „gewisse Zweifel” hinsichtlich Beteiligung, Verpflegung und Anfahrt plagten.
Statt in Hürth oder in der Eifel trafen sich die Autorinnen und Autoren nun in Königsdorf. Ein Hauptbegegnungsort des Kreises wurde in jener Zeit die evangelische Christusgemeinde in Frechen-Königsdorf, großzügig hatte der Dichter und Pfarrer Helmut Schmale seine Räumlichkeiten für die Kunst der Poesie geöffnet. Hier wurde auch einander vorgelesen, als Übung für Auftritte vor größerem Publikum, und die Kunst der Kritik praktiziert. 1988 erschien erstmals das „Kohlepapier” – der nächste wichtige Evolutionsschritt. Es folgten die Anthologie „Wortrevier” oder das Autorenlexikon, ein „Almanach der Erftkreis-Musen”, wie es damals hieß. Glücklich darf ich feststellen, dass mein Titelvorschlag „Wortrevier“ bei Axel Kutsch, der die Koordination übernommen war, auf Zuspruch gestoßen war. Es war ein spontaner Gedanke, unser wortreiches Schaffen mit dem heimischen Braunkohlerevier in einem Kunstbegriff zu vereinen.
Alle halfen tatkräftig mit, als es darum ging, die ersten Publikationen an Frau und Mann zu bringen. Heißt: Wir waren alle Vermarkter, Autoren gleich PR-Agenten. Wer konnte, half beim Vertrieb. In meiner Dokumentensammlung aus jenen Tagen befindet sich ein leicht vergilbter Brief aus dem Jahr 1988. Die Stadt Hürth schrieb überaus höflich an meine Privatadresse: „Sehr geehrter, lieber Herr Deglow, vielen Dank für die Zusendung ihres Belegexemplars der Ausgabe Wortrevier. Bitte senden Sie an das Schul-, Kultur- und Sportamt der Stadt Hürth 10 Stück mit Rechnung und an das Ratsbüro der Stadt ebenfalls 10 Stück mit Rechnung zu.” Aller Anfang ist schwer.
1990 wurden wir Kulturpreisträger des Rhein-Erft-Kreises. Darauf können wir Damaligen und die heute Aktiven sehr stolz sein. Eine großartige Auszeichnung für eine wichtige, lebhafte Gemeinschaft.
Der Autorenkreis Rhein-Erft hat sich stetig weiter entwickelt. Er hat Nachwuchsliteraten Mut gemacht, ihre Werke aus Schubladen zu befreien, er hat aber auch Etablierten eine größere Bühne gegeben.
Mich hat der Kreis inspiriert und nachhaltig beeinflusst. 40 Jahre nach der Gründungsversammlung, an der ich als junger Mann teilgenommen habe, bleibt festzuhalten: Herbert Sinz hatte eine großartige Idee und hat sie glücklicherweise damals umgesetzt, zunächst in einladende Zeilen gefasst, die den Anfang bildeten. Danke

Ehrenmitglieder des Autorenkreises

Axel Kutsch –  https://de.wikipedia.org/wiki/Axel_Kutsch

Petra Hammesfahr – https://de.wikipedia.org/wiki/Petra_Hammesfahr

Prof. Dr. Gynter Mödder – https://de.wikipedia.org/wiki/Gynter_M%C3%B6dder

Isolde Ahr – https://www.facebook.com/isolde.ahr

 

Preisträger des Autorenkreises:

Dr. Herbert Sinz: 1985 Gründer des Autorenkreises-Rhein-Erft: 1981 Kulturpreis der Stadt Hürth und des Erftkreises; 1985 Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes Rheinland. https://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Sinz 

Autorenkreis Rhein-Erft: 1992 Kulturpreis des Rhein-Erft-Kreises. https://de.wikipedia.org/wiki/Autorenkreis_Rhein-Erft

Käthe Kyrion: 1999 Kulturpreis der Stadt Hürth 

Hans Josef Jungheim: 2000 Rheinlandtaler des Landschaftsverbandes Rheinland (für seine Fossilienforschung)

Petra Hammesfahr: 2001 Kulturpreis des Erftkreises

Hartwig Mauritz: 2012 Dresdner Lyrikpreis

Carsten Sebastian Henn: 2014 Kulturpreis des Rhein-Erft-Kreises

Thomas B. Schumann (ARE-Gründungsmitglied): 2017 Hermann-Kesten-Preis des deutschen PEN-Zentrums

Gert Grünert: 2017 Goldmedaille der „Staatlichen Ivane Javachischwili Universität“ in Tiblisi für seine Verdienste um die Vermittlung georgischer Literatur

Harald Gröhler 2019 Kogge-Ehrenring der europäischen literarischen Vereinigung

Jürgen Streich: 2023  Kulturpreis des Rhein-Erft-Kreises